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Strohhalm

Kenne Sie das? 

Krampfhaft und im Angesicht schwindender Kräfte halten Sie sich an einem Strohhalm fest und reden sich ein, dass Sie nur noch etwas Geduld brauchen. Dann würde sich Ihr Strohhalm schon in einen standfesten Eichenstamm verwandeln. Und während Sie so inbrünstig im Gegenwind schweben, mit flatternden Füßen, die schon längst den Boden verloren haben, machen Sie sich über alle lustig, die sich an einem Strohhalm festhalten. 

Wie kann man nur so naiv sein? 

Es kommt, wie es kommen muss… 

Ihr scheinbares Wurzelwunder hält dem Zerren und Reißen nicht mehr stand und Sie fliegen. Sie schweben im luftleeren Raum an grinsenden Schäfchenwolken vorbei, wollen sich festhalten, doch greifen ins Nichts. Sie hoffen, irgendwo (wenn auch hart) zu landen, vielleicht zu zerschellen, aber selbst das, ein schmerzhaftes „Auf dem Boden der Tatsachen“-Ankommen, wird Ihnen nicht geschenkt. Sie fliegen, haltlos, ins allumhüllende Weiß. Und irgendwann stellt sich diese Luftleere, die Sie gnadenlos umgibt, auch in Ihrem Inneren ein. 

Kaum noch denkend lassen Sie alles geschehen. Fühlen nur noch Nichts. 

Und Sie fragen sich: Wie konnte ich so ausdauernd die Kraft aufwenden, mich an einem Strohhalm festzuhalten? 

Wie konnte es gelingen, in einem Strohhalm einen ausgewachsenen, reifen und Wind und Wetter standhaftem Eichenbaum zu sehen? 

Und während Sie so keine Antwort erwartend durch Raum und Zeit schweben, können Sie plötzlich nachvollziehen, welchen Sinn der Spruch „Nur fliegen ist schöner“ in sich trägt.

Und plötzlich spüren Sie die zarte Berührung der wärmenden Sonnenstrahlen, hören das wohlklingende Rauschen des Windes und wissen mit noch schmerzender Seele: Sie sind befreit!